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Mal was wieder aus der alten Fernmeldetechnik  

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TK Anlage

In einer dunklen Kellerecke und total verstaubt fand ich ein Relikt aus meinen ersten Versuchen eine eigene Haustelefon Anlage zu bauen.

Es handelt sich dabei um eine 1/5 Nebenstellenanlage noch total Relais gesteuert von Siemens, gebaut für die deutsche Bundespost. Baujahr dürfte zwischen 1955/57 liegen.

Als die Rettungsleitstellen auf modernere Arbeitsplätze umgerüstet wurden hat man diese Geräte in riesigen Mengen entsorgt.

Da ich lange schon mit einer Hauseigenen Telefonanlage liebäugelte, durch das Postmonopol aber nichts auf dem Markt zu bekommen war  erwarb ich eine dieser Anlagen.

Mit eigener Stromversorgung und Zweidraht Anschluss klemmen LA/LB konnten so bis zu 5 Wählscheiben Telefone im Impuls Wählverfahren angeschlossen werden. 

Ein klemmbarer Fernmelde Eingang war ebenso vorhanden so das man sich mit der Anlage auch ins damalige Telefonnetz einwählen konnte.

Mein erster Aufbau erfolgte luftverkabelt mit 5 Apparate. Schon bei der ersten Inbetriebnahme empfing mich das angenehme Geräusch der tackernden Release. Beim Abheben eines Hörers war das schnarrende Freizeichen zu hören und das Ticken der entsprechenden Relaisbank. Beim Wählen einer Zahl von 1-5 ein Mords Radau in der Kiste und kurz darauf das Klingeln das noch durch mächtige Glocken im gewählten Anschluss signalisiert wurde. Solange der Ruf lief ein Ticken der Rufrelais.

Mit der Zeit wurde die Verkabelung verdeckt verlegt und die Anlage wurde jahrelang genutzt. Später verband ich den Fernmeldeeingang mit der Telefonbuchse und konnte das ganze auch mit Amtszugang- die 0- nutzen. War natürlich streng verboten aber wer hat sich damals schon darum gekümmert.

Die ganze Anlage ist in einem stabilen Eisenblech Gehäuse verbaut und wiegt so in etwa 30 KG. Eine umgehende Gummidichtung schützt die Bauteile vor Staub und Feuchtigkeit. Also noch Made in Germany und gebaut für die Ewigkeit. Wenn man gute Beziehungen zu Fernmeldehandwerker hatte konnte man spezielle Stäbchen mit Schleif und Lederaufsätzen zum Reinigen der evtl. eingebrannten oder Korrodierten Relais bekommen. Daran hat es bei mir nicht gefehlt.

Schade um die kurzlebige Zeit dieser wunderbaren mechanischen Geräte.

 

 

Salve: Rupi

5 Antworten
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@Rupi,

echt interessant, die alte Technik, auch wenn man damit heute nichts mehr machen kann. Ehrlich gesagt, vermisse ich im Punkto Geräuschkulisse und Tempo, die alte Technik kein bisschen, aber was den Aufbau und die Funktion angeht, hätte ich gerne das Fachwissen von damals. 

Das wäre auch ein Thema für Wlanman gewesen. Er hätte sicher auch einiges dazu beitragen können. R.I.P. (Ruhe In Frieden) Wlanman.

@praktiker Diese Anlage war mir damals so ans Herz gewachsen das ich mich beinahe täglich damit befasste. Über meine Beziehungen zu Fernmeldemachaniker konnte ich einen Schaltplan erwerben. Mit der Zeit war mir jedes einzelne Bauteil und die Zusammenarbeit untereinander voll vertraut.

Richtig: Wlanman wäre hier für dieses Thema der richtige Ansprechpartner zum Fachsimpeln gewesen. Ich hätte noch weiter Themen zu meinen Retro Amateurfunkgeräten. Aber ich glaube nicht das ich die entsprechende interessierten Gruppe vorfinde. Retro ist gut, sollte aber erst bei der letzten Hi-Fi Anlage beginnen. Ansonsten ist der interessenkreis sehr begrenzt.

@Rupi, nicht unbedingt. Ich hatte damals einen Schulkameraden und Kumpel, der eine Amateur-Funkanlage in seinem Auto hatte und die auch viel genutzt hatte, mit seinen anderen Amateur-Funk-Freunden. Ich selber hatte leider nie etwas in der Richtung. Bei @Dim würde ich wetten, dass er auch damit Erfahrung hat und auch noch immer Interesse. 

Bei mir besteht eigentlich Interesse an jeglicher alten Technik, nur kenne ich mich nicht mit jeder alten Technik aus. Gerade im Bereich Elektro fehlen mir sehr viele Kenntnisse, da meine 2. Ausbildung, zum Elektroinstallateur erst spät kam, erfolgreich beendet ca 2000 (oder 2002?). Auch wenn ich als Kind/Teenager schon alte Geräte (aus Neugierde) zerlegt habe, hatte ich mich leider nie so richtig mit der Technik dahinter befasst. Dass ich nach der 2. Ausbildung kaum noch im Fachbereich Elektro tätig war, tat sein übriges dazu, dass mir viel Wissen über die alte Technik fehlt.

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ich finde es schon interessant auch mal sowas zu sehen

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Sehr schöne alte Anlage. Ja, Anschließen an das hochheilige Postnetz durfte das nur die Post selber, auch bei den Anlagen der "privaten" Anbieter. Die bekamen die Preise der Anlagen übrigens per Amtsblatt vorgeschrieben - Wettbewerb gab es also zumindest bei den Preisen nicht.

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@Rupi Eine tolle Anlage und es wundert mich, wie toll alles gebaut wurde. Das ist die deutsche Qualität, von welcher wir geträumt haben. Klar stehe ich auf solche Retro-Sachen. auch wenn ich diese persönlich nicht erlebt habe. Um so größer ist mein Interesse.

Ich habe auch eine tolle Erinnerung zu der analogen Telefonie. Meine Festnetznummer endete damals auf 01 01 und wenn ich jemanden meine Telefonnummer mitgeteilt habe, glaubte mir keiner. Die Leute haben gedacht, dass ich lüge oder dass ich bei der Feuerwehr oder KGB arbeitete oder Superbeziehungen habe.

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Wow - sieht schön aufgeräumt und gepflegt aus. Was mich immer fasziniert hat, ist daß bei diesen Tausend Kontakten noch einer durchblickt, wo welches Kabel und warum hin soll.

 

Für mich bildete schon der Anschluß von einem Anrufbeantworter an eine TAE-Dose eine fast unlösbare Aufgabenstellung.

@electrodummy, dass mit den "tausenden Kontakten" ging mir auch schon immer so. Bei solch großen Schaltungen wusste ich auch nie, was wohin kommt und warum. Deshalb bin ich auch beim erstellen neuer Schaltungen gar nicht gut.

mich faszinieren solche Anlagen, aber auskennen......niemals

Relais Schaltungen haben mich schon von jeher fasziniert. Mit einer ungeheureren Logik rein mechanisch aufgebaut nahmen diese sehr viel Raum in der Ablaufsteuerung ein. Später wurden diese Schaltungen durch Halbleiter Prozessoren ersetzt  und verschwanden dadurch gänzlich aus dem elektronischen Bereich. Wenn man bedenkt der gesamte Inhalt der vorgestellten Anlage findet nun auf einer Platine in einem Gehäuse von wenigen Zentimetern Platz.

Bei Interesse und Bedarf bin ich gerne bereit näheres über die funktionsweise einer Relais Schaltung zu schildern. Aber ich denke doch das dies sicher ein spannendes Thema für Wlanman †  gewesen wäre.

 

 
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